Gedanken der Arche

Der Baron von Sambrase

Wir haben kein Paradies gebaut. Wir haben nur darauf verzichtet, eines zu zerstören.

Als wir unser Haus in Kalabrien kauften, dachten wir nicht an Naturschutz. Wir suchten Freiheit, Ruhe, Abstand und keine direkten Nachbarn. Vielleicht wollten wir auch einfach die große Stereoanlage aufdrehen, ohne jemanden zu stören.

Jahre später kauften wir das erste Stück Land dazu, weil unsere Zufahrt darüber verlief. Damit begann eine Kettenreaktion. Immer mehr Grundstücke wurden uns angeboten. Nicht die Natur war zerstückelt, sondern das Eigentum. Für viele waren die Anteile wertlos. Für uns wurden sie Teil eines Ganzen.

Manche Grundstücke gehörten zehn oder mehr Menschen. Manchmal kostete der Notar mehr als das Land. Als mein Freund, der Architekt, mir eine dreiseitige Parzellenliste zeigte, sagte er lachend: „Du bist der neue Baron von Sambrase.“ Erst da sah ich, was entstanden war.

Heute kreisen Bussarde über dem Berg. Schwalben trinken aus dem Pool, Bachstelzen nutzen den Wasserfall als Sushi-Bar und Bienenfresser ziehen über den Himmel. Nachts kommen Wildschweine, Dachse, Füchse und sogar Wölfe. Sie wollen keine Menschen. Sie wollen in Ruhe leben.

Wir haben die Natur nicht geschaffen. Wir haben sie gelassen. Die Sonne gibt Strom, der Brunnen Wasser, das Holz Wärme, der Garten Früchte und das Land den Tieren Raum. Wir nehmen, was wir brauchen. Aber wir nehmen nicht alles.

Nach dem Verkauf meiner Zahnarztpraxis hätte ich investieren können. Stattdessen liegt ein Teil des Geldes heute als Landschaft unter unseren Füßen. Im Sommer genügt es, am Pool oder auf der Terrasse zu sitzen. Die Gegenwart der Natur ist der größte Dank.

Vielleicht war es nie unser Plan. Vielleicht war es der Plan der Natur. Wir wollten Freiheit, und die Natur nutzte diese Freiheit mit. Der größte Reichtum liegt nicht darin, möglichst viel aus einem Stück Land herauszuholen, sondern ihm etwas zu lassen.

Wir hatten instinktiv das Richtige getan. Den Sinn verstanden wir erst mehr als zwanzig Jahre später. Ohne Programm. Ohne Fahne. Ohne uns besser zu fühlen. Und trotzdem war es richtig.

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