Gedanken der Arche

Perfektion vor dem Schaden

Die Arche baut man vor der Sintflut. Danach ist Holzbeschaffung schwierig.

Perfektion ist selten beliebt, solange alles funktioniert. Geschätzt wird sie oft erst, wenn das Provisorium brennt. Vorher heißt es: „Das ist übertrieben“, „So genau muss man das nicht machen“ oder „Das hat bisher immer funktioniert“. Danach heißt es plötzlich: „Kannst du mal schnell schauen?“

Dann wird aus angeblicher Pedanterie Erfahrung, aus Ordnung Rettung und aus Vorsicht Kompetenz. Menschen lieben Prävention ungefähr so sehr wie Steuerformulare. Erst wenn die Batterie abraucht, der Server falsche Seiten liefert oder der Poolroboter beleidigt absäuft, fragt man, warum niemand sorgfältiger geplant hat.

Der Unterschied ist einfach: Ein Provisorium hofft. Ein System denkt voraus. Strom, Wasser, Webseiten, Domains, Solar, Sicherungen, Cache und Ordnerstruktur wirken kleinlich, bis sie eine Katastrophe verhindern. Die Arche baut man vor der Sintflut. Danach ist Holzbeschaffung schwierig.

Manchmal stößt der Perfektionist nicht auf Widerstand, weil er Unrecht hat, sondern weil er zu früh Recht hat. Er sieht das schwache Glied, bevor die Kette reißt, und fragt nach Sicherung, Reserve und Rückfallplan, während andere noch sagen: „Das wird schon gehen.“

Wer früh auf ein Problem hinweist, überbringt nicht nur eine technische Nachricht. Er zeigt auch, dass jemand nicht sorgfältig genug war, etwas verdrängt oder Bequemlichkeit als Erfahrung getarnt hat. Dann wird nicht der Fehler angegriffen, sondern der Bote.

Der Perfektionist wird nicht bestraft, weil er falsch liegt. Er wird bestraft, weil er die Ausrede zu früh zerstört.

Zur Gedankenübersicht