ArcaNuova · Unvollständigkeit · Zukunft · Leben
Die Würde der unvollständigen Dinge
Das Unfertige ist nicht zwangsläufig ein Mangel. Es kann ein Zustand sein, in dem noch etwas möglich ist.
Es gibt eine stille Würde in den Dingen, die nicht fertig sind.
Ein Haus, an dem noch ein Werkzeug liegt.
Ein Buch, in dem noch leere Seiten warten.
Ein Gedanke, der noch keinen Schluss gefunden hat.
Früher habe ich das Unfertige als Mangel gesehen.
Als Beweis, dass etwas fehlt.
Heute sehe ich es anders.
Das Unfertige ist kein Versagen.
Es ist ein Zustand der Möglichkeit.
Ein fertiges Werk ist abgeschlossen.
Ein unfertiges Werk lebt.
Vielleicht habe ich deshalb nie wirklich versucht, fertig zu werden.
Nicht aus Angst.
Sondern aus Instinkt.
Denn fertig zu sein bedeutet, nichts mehr vor sich zu haben.
Und solange noch etwas offen ist, gibt es ein Morgen, das mich erwartet.
Nicht, weil es muss.
Sondern weil ich noch nicht alles gesagt habe.
Und vielleicht ist genau das genug.
