ArcaNuova · Gemeinschaft · Ungarn · Kalabrien

Einfach am Tisch

Integration beginnt selten mit Erklärungen. Sie beginnt damit, teilzunehmen, sich an einen Tisch zu setzen und lange genug zu bleiben.

Ich habe nie viel erklärt.

Nicht, wie man lebt.

Nicht, wie man ankommt.

Und schon gar nicht, wie man sich integriert.

Ich habe es einfach gemacht.

Früher in Ungarn haben Susanna und ich in der Dorfkirche geheiratet.

Mit Kutsche, mit den Leuten vor Ort, so wie es dort üblich war.

Nicht organisiert.

Nicht geplant.

Einfach gemacht.

Ungarn war unsere erste Residenz im Ausland. Dort haben wir gelernt, dass man nicht ankommt, indem man ständig erklärt, wer man ist. Man kommt an, indem man teilnimmt.

Diese Erfahrung haben wir mitgenommen.

Nach Süditalien.

Heute in Kalabrien ist es ähnlich.

Nur dass es nicht mehr nur um mich und Susanna geht.

Mein Sohn hat hier geheiratet. Hier wurde auch getauft. Mit dem Herzen ist er schon hier.

Manche schauen sich um: Haus, Land, Maschinen, Autos.

Und ich merke schnell: Darum geht es ihnen gar nicht.

Es ist nicht der Besitz, der interessiert.

Es ist die Art zu leben.

Dass ich nicht mehr muss.

Dass ich meinen Tag selbst bestimme.

Dass ich mein Leben nicht mehr erkläre, sondern lebe.

Ich gebe keine Ratschläge.

Denn niemand will hören, wie er leben soll.

Aber viele schauen genau hin.

Also lebe ich einfach vor.

Und jeder nimmt sich das, was er braucht.

Einmal im Jahr machen wir ein Oktoberfest.

Nicht, weil es Tradition ist.

Sondern weil es funktioniert.

Ohne Wettbewerb. Ohne Bewertung. Einfach Essen, Wein und Menschen.

Bei uns gibt es keinen großen Plan.

Es gibt einen Tisch.

Und wer da ist, sitzt daran.

Zusammenleben entsteht nicht, weil man alles richtig sagt.

Es entsteht, weil man ehrlich ist und gerne mit anderen am Tisch sitzt.

Wenn mich jemand fragt, warum ich einlade, sage ich:

„Ihr habt eure großen Familien. Ich habe euch.“

Vielleicht ist das der Punkt.

Nicht reden über Gemeinschaft.

Sondern sie einfach machen.

Nicht ankommen wollen.

Sondern bleiben.

Und irgendwann merken:

Man ist es längst.

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